Heiteres aus Flammersbach

Als der Ernst eine Kuh kaufte.

Abenteuer auf dem Weg von Siegen nach Flammersbach in den 40er Jahren.

„Komm Berta, laß uns eine Kuh holen„ sagte der Ernst in Flammersbach eines Tages im Jahre 1940 zu seiner Frau.
Und so machten sich die beiden auf den Weg nach Siegen, erstanden beim Viehhändler eine schöne Kuh, die
sie „Schimmel„ nannten und zogen stolz in Richtung Flammersbach davon.
Als sie bald in Kaan angekommen waren, wurde es der Kuh leid. Dreimal schwenkte sie rund und dann war sie frei.
Die nahm ihren Weg wieder zurück nach Siegen unter die Füße. Bei Gontermanns lief sie durch das Tor ins
Fabrikgelände, wieder hinaus nach dem Siegwerk und dann nach Jägers Fabrik. Zäune waren kein Hindernis,
sie wurden einfach umgelegt. Als sie auch bei Jäger nicht das rechte Futter fand, trabte sie hinüber zur Fabrik Herkules.
Auch hier wieder rein und raus. Schließlich sah der Ernst seinen Freund Leo kommen, dem er zurief: „Halt sie fest!„
Leo stellte sich breitbeinig der Kuh entgegen, doch er hatte sich verrechnet, denn der Schimmel hob ihn unsanft
beiseite und setzte seinen Weg fort.
Am offenen Fenster des Aufenthaltraums bei Gontermanns stand ein Arbeiter, der der Kuh zurief: „Schimmel komm!„
Die Kuh ließ sich nicht zweimal einladen, sprang durch das Fenster ohne Schaden anzurichten und begab sich durchs
Pförtnerhaus wieder auf die Straße in Richtung Siegen. In der Flurenwende stand das Tor eines Bleichplatzes offen.
Hier fand das gehetzte Tier zunächst Ruhe und begab sich ans Fressen. Zwei Jungens schlossen das Tor zu
und so war die Kuh einstweilen eingesperrt.
Inzwischen hatte der wohlbeleibte Ernst, der schwitzend und keuchend der Kuh nachgeeilt war in seinem
Langsteckenlauf innegehalten. Vergeblich hielt er Ausschau nach dem Schimmel. Bei Langenbachs trank er sich
erst einmal ein Glas Bier. Als er wieder auf die Straße trat, traf er zwei Jungens, die er fragte, ob sie keine Kuh
gesehen hätten. „doch„, sagten sie,„die haben wir in der Flurenwende eingesperrt!„ Erst ging hin und tatsächlich
war dort sein Schimmel geruhsam am Fressen. Aufatmend nahm er die Kuh am Halfter und redete ihr gut zu:
„Nun komm schön, mein braver Schimmel!„ Ruhig ging sie mit, als ob sie gar nichts Böses im Schilde führte.
So ging es weiter bis Gontermanns. Als sie dort ihren vorherigen Tummelplatz wiederentdeckte, machte sie sie
Ruck und Zuck, warf den Kopf hin und her, der Ernst bekam einen Schlag vors Knie, daß er umfiel. Der Schimmel
aber stürmte in gewaltigen Sätzen wieder am Pförtner vorbei in die Fabrik, durch ein Tor wider auf die Straße und
langsam trabte er durch Kaan in Richtung Dielfen. Da traf Ernst in Kaan einen Bekannten, der mit dem Fahrrad des kam.
Dieser wurde nun gebeten, sich der entlaufenen Kuh anzunehmen. Adolf Setzte sich auf sein Rad und kurz vor Dielfen
hatte er den Schimmel eingeholt. Der Radfahrer hatte mehr Glück bei der Kuh, von ihm ließ sie sich willig
führen bis in den Stall in Flammersbach.
Erst eine ganze Weile, nachdem die Kuh im Stall angebunden war, traf Ernst in seiner Behausung ein. Da er das Tier
geborgen sah, sank er seufzend auf einen Stuhl und Sagte: „Wenn nun auchmeine Frau wieder da wäre, dann wäre alles gut!
„ Die hatte zwar den Beginn der Jagd noch mitgemacht, doch bei den 200 Pfund, die sie zu tragen hatte, war ihr bald
die Luft weggeblieben. Als sie vom Ernst und der neuen Kuh nichts mehr sah, ging sie zum Bahnhof Siegen-Ost und fuhr
mit dem nächsten Zug, auf den sie jedoch noch eine Weile warten mußte nach Dielfen. Und so kam auch sie wohlbehalten
bei den Ihrigen zu Hause an. Sie haben alle über das Erlebnis gelacht.

„Aber das Biest kommt mir aus dem Stall!„ sagte Ernst. Er gab dem Viehhändler Nachricht. Der aber war schlauer.
Er brachte eine andere Kuh mit, band den Schimmel mit ihr zusammen und nun war der Schimmel Fahrgast, während
die Braune ihren Platz im Stall bezog. So endete das Abenteuer dennoch vorteilhaft für alle Beteiligten, denn auch die
neue braune Kuh war eine gute Milchspenderin.
K.R.

 

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Bratwurst

Ein Flammersbacher Bergmann arbeitete in der Grube Grimberg. Zu Hause bei seiner Frau wurde er ziemlich kurz gehalten.
Deshalb ging er eines Morgens in die Räucherkammer (Herb), um sich heimlich eine Bratwurst zu holen. Er stopfte sie sich
in die Hosentasche und ging zur Arbeit. Nach einiger Zeit mußte er mal austreten, was Bergleute natürlich an der
Wasserrinne (Rösche) machten. Während er nun dastand, fiel ihm, da er ein Loch in der Hosentasche hatte, die Wurst in die Rinne.
Scheu schaute er sich um, hob die Wurst auf, putzte sie schnell an der Hose ab und verzehrte sie.

 

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Fahrradrennen.

Zwei junge Burschen veranstalteten lange vor dem 2. Weltkrieg ein Fahrradrennen von der Stemmich ins Dorf.
Oberhalb der Wirtschaft (bi Brochs Garde) war einer der beiden zu schnell und landete mit dem Fahrrad in der
Hecke, er flog hinüber und landete mit dem Gesicht in einem Misthaufen.

 

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Deutschlandlied

Thomas`s Heinrich, ein Vorfahre von Wehn sprach sehr schnell. Er sollte das Deutschlandlied aufsagen. Es kam folgendes dabei heraus:
Deutschland, Deutschland über alles,
über alles in der Welt,
wenn steht so schutzig, trutzig,
Brüder noch nicht zusammen han sind.
Von der Maas bis an die Mehmel,
von der Etsch bis an den Bätsch,
(Schluß)

 

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Pferd auf dem Flur

Bei der Feuerwehr war folgendes passiert: Bei einer Feier mit ausgelassener Stimmung wurde
des öfteren das Lied: „Es steht ein Pferd auf dem Flur„ gespielt, dabei wurde auch getanzt und geschunkelt.
Die Anwesenden staunten nicht schlecht, als um Mitternacht die Tür aufging, ein Pferd hereingelassen
wurde, ein paar Äpfel fallen ließ und wieder verschwand.

 

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Frühschicht

Als ein Flammersbacher zur Frühschicht ging, begegnete ihm Kesslersch Pferd. Einem Wegbegleiter
berichtete er, daß Kesslersch Gückel (Pferd) im Dorf frei herumlaufe. Des Zuhörers Antwort war:
„Dat es doch nix, Klenn Hooner seze doch de ganze Nacht em Baum.„

 

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Mandelentzündung

Es war in der schechten Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Wie viele Flammersbacher fuhr auch Runkels Bappe
mit dem Zug zur Arbeitsstelle. Runkels Babbe war gut beleibt und Pfeiffenraucher. Er stopfte die die
Pfeife meist zu voll. Plötzlich feil Glut auf seinen neuen Lodenmantel. Von einem Nachbarn auf den
glimmenden Mantel aufmerksam gemacht, meinte Runkels Babbe lakonisch:
„Hädde ech doch baal de schärnste Mandelentzündung kräije.„

 

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Uslännisch Dier

Winkels Tante Emmi hatte in jungen Jahren ein nächtliches Erlebnis. In einer warmen Sommernacht flog
im Schlafzimmer der jungen Emmi ein Tier umher. Nacheinigen Schweißausbrüchen und Angstzuständen
rief sie endlich Ihren Vater um Hilfe:
"Bappe, Bappe, komm moahl schwinn, loa es e uslännisch Dier em Schloefzimmer !“
Nachdem der Vater das Tier gefangen und zum Fenster rausgeworfen hatte, stellte sich heraus, daß es
eine Fledermaus war.

 

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Verdammtes Hondsdier

Ein Flammersbacher, der im Oberdorf wohnte, hatte es morgens besonders eilig, zum Zug zu kommen.
Ein besonders Eiliger der sich vor „Hirte Hus“ noch schnell die Schuhe zuband, stand wohl dem ersten
Eilenden im Weg. In der Hast stolperte der über das vermeintliche Hindernis. Seine Bemerkung in der
Eiligkeit, ohne genau hinzusehen: „Verdammtes Hondsdier“

 

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